Freitag, 9. Oktober 2020

9.30 Einlass und Anmeldung

Speaker*innen:
Sabine Wohlfahrt, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig
Keynote Speaker: Anna Spenn, SPENNIundKLEID, kunZstoffe e.V., engmaschig-Team

Moderation:
Henriette Panik, Trainerin und Coach
Stefan Peters, Trainer für Kommunikation und Improvisation

In seinem Vortrag führt Dr. Dirk Scheffler, e-fect eG, in den Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie ein und veranschaulicht an Beispielen aus der Praxis wie bereits heute Unternehmen mit Hilfe der Gemeinwohl-Bilanz transparent machen und lernen, sich an Werten wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigheit und Transparenz und Mitentscheidung auszurichten. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein konkrete Alternative, um den Zweck des Wirtschaftens und den Erfolg von Unternehmen an gemeinwohlorientierten Werten auszurichten. Oberstes Ziel des Wirtschaften soll ein gutes Leben für alle Lebenwesen und den Planeten sein. Die Gemeinwohl-Bewegung möchte diesen Wandel des Wirtschaftsystems mit Bewusstseinsbildung und durch einen demokratischen Prozess möglichst vieler Menschen, Organisationen und Initiativen erreichen, so dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zukunftsfähiges Unternehmer*innentum nicht länger benachteiligen. Die Gemeinwohl-Ökonomie wird am 10.10.2020 zehn Jahre alt.

Referent:
Dr. Dirk Scheffler ist selbstständiger Umweltpsychologe und Gemeinwohl-Berater bei der gemeinwohlbilanzierenden e-fect eG. Vom Büro in Leipzig aus evaluiert er Förderprogramme und Projekte in den Feldern Natur- und Klimaschutz und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Als Gemeinwohl-Berater begleitet er Unternehmen bei der Erstellung von Gemeimwohl-Bilanzen, z. B. teilAuto Leipzig oder die Gemeinhardt Serice GmbH. Im Vorstand des Gemeinwohl-Ökonomie Mitteldeutschland e.V. und in der Regionalgruppe Leipzig-Halle koordiniert er die dortigen Aktivitäten und hält Vorträge rund um die Themen nachhaltige Entwicklung von Unternehmen und suffizienteLebensstile. Bezüge zu nachhaltigen Textilien hat er als Konsumt von nachhaltigen Textilien, als ehemaliger Leiter von Workshops für Auzubildende zum Thema soziale Sicherheit und Globalisierung sowie durch Erfahrungen im eigenen Umfeld mit der Online-Vermarktung von textilen Wohn- und Modeaccessoires.

Der steigende Faserbedarf ist getrieben von einem geänderten Konsumverhalten. Natürliche Ressourcen können diesen Bedarf nicht mehr decken, synthetische Materialien gelangen als Mikroplastik in die Meere. Ein kreislauffähiges Recycling wird durch die zunehmende Vermischung der Fasern immer komplizierter und vor allem unwirtschaftlicher. Welches Potential haben neue Technologien und kann Handarbeit ein Teil der Lösung sein?

Referent:
Dr. André Matthes
ist stellv. Leiter der Professur Textile Technologien und Bereichsleiter für nachhaltige Textilien und digitale Bildung an der Technischen Universität Chemnitz. Dr. André Matthes verfügt über umfassende Expertise in der textilen Materialanalyse, Maschinenentwicklung und Prozessanalyse in der gesamten textilen Prozesskette, insbesondere in den Bereichen Faser-, Garn- und Stoffherstellungstechnologien, Garnzuführungssimulation, Mess- und Sensortechnik. In den letzten Jahren hat er sich verstärkt auf die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in universitäre Lehrveranstaltungen und die Verbreitung textiler Nachhaltigkeitsthemen durch Veranstaltungen, Vorträge und die Sustainable Textile School konzentriert. Seine jüngsten Forschungsaktivitäten betreffen neue textilbasierte Entwicklungsansätze im Bereich der naturfaserbasierten Textilien.


13.30 Mittagspause

mit


Stephanie Oppitz, WindelManufaktur (Dresden)
2012 hat sich Stephanie Oppitz mit ihrer Idee, moderne Stoffwindeln zu fertigen und zu vertreiben, selbstständig gemacht. Besonderen Fokus legt sie mit ihrer Firma „Stephanie Oppitz GmbH“ auf die Fertigung vor Ort und die Herkunft der Materialien. Sie hat für ihre Firma eine nachhaltige Produktpolitik formuliert, welches den Schwerpunkt auf verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen legt. Umweltschutz und Klimaschutz als zentrale Elemente der Entscheidungsaspekte der modernen Textilfertigung bestimmen den Alltag in der Firma. Die Stephanie Oppitz GmbH beschäftigt mittlerweile ca. 30 Mitarbeiter*innen, die die wachsende Palette an nachhaltigen Hygieneprodukten im Atelier in Dresden fertigt. Stephanie Oppitz ist verheiratet und hat drei Kinder. www.windelmanufaktur.com

Ellen John-Jentzsch, Wolle von der Scholle (Görlitz)
Inspiriert durch die Erfolgsgeschichten von „Nordwolle“ und „Fibershed“ möchte Wolle von der Scholle mit der Produktion von regional und ökologisch erzeugter Schafwolle im Raum Leipzig beginnen. Dazu soll in einem ersten Schritt die Wolle der Parthe-Schafherde des Schäfers André Wolf und des NABU zu einem Handstrickgarn versponnen werden. Es handelt sich um die seltene Rasse der Leineschafe, die auf den Wiesen entlang der Parthe in und um Leipzig so wie an der Kulkwitzer Lache weiden.


Marie-Luise Rief, Luxaa (Leipzig)
Marie -Luise Rief studiert Design im Bereich Mode an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und ist beim Label Luxaa angestellt. Luxaa steht die Leidenschaft und den Anspruch, innovative Materialien mit einem zeitlosen Design und nachhaltigen Rohstoffen in minimalistischer Statement-Mode zu vereinen.


Udo Krause, Seidenkokon GmbH i.G. (Dresden)
Udo Krause will mit seinem Partner Andreas Kretschmer als StartUp den Seidenbau wieder in die Lausitz bringen. Die Anzucht der Maulbeeren soll auch lokalen Farmern ein Zusatzeinkommen generieren. Die unter organic – Kriterien gezogenen Raupen liefern Kokons, deren Seide vor allem in der Medizin Anwendung finden soll. Das Unternehmen legt Wert auf reine natürliche Seide (sog. virgin silk), die es so aufgrund der technologischen Entwicklung (High-Tech Anforderungen) und Auslagerung der Garnproduktion nach China nicht mehr auf dem Markt in Deutschland gibt. Eine zum Patent angemeldete Maschine soll die entsprechende „medical-grade“ Seide liefern. Zugleich will das StartUp ein Beispiel liefern für die circular bioeconomy: Die Reststoffe der Produktion werden entweder von einer benachbarten Garnelenfarm oder den Pionieren der Permakultur vor Ort genutzt. Kontakt: udo.krause@synergymanagement.de


16.15 Tagesabschluss

Samstag, 10. Oktober 2020

9.30 Einlass

10.00 Uhr Begrüßung, Rücklick, Ausblick

Podiumsgäste:
Anna Zeitler
Anna Zeitler hat Modedesign in Trier und an der Burg Giebichenstein in Halle studiert. Seit 2016 arbeitet sie als selbstständige Designerin und Referentin mit dem Ziel Bewusstsein für nachhaltigen (Kleidungs-) Konsum anzuregen. Themenschwerpunkte sind Nachhaltigkeit, Konsumverhalten, Textilindustrie und Upcycling. Seit 2016 entwickelt sie im Bildungsteam bei Future Fashion Forward e.V. Konzepte für Work-shops an Schulen. Seit 2017 engagiert sie sich im FairSchnitt-Projekt der Organisation FEMNET e.V. als freiberufliche Multiplikatorin. Für ein Jahr arbeitete sie neben ihrer selbstständigen Tätigkeit als künstlerische Mitarbeiterin im Textildesign an der Burg Giebichenstein. Sie lebt und arbeitet in Halle (Saale).

Annett Kalaizis
Annett Kalaizis ist Inhaberin des Maßatelier Kalaizis. Ihre Tätigkeitsfelder umfassen unter anderem Maßanfertigungen für Braut- und Festbekleidung sowie Umarbeitungen, Upcycling und Reparaturen.

Eva Howitz
Eva Howitz ist Diplom-Modedesignerin. Seit Ende ihres Studiums 2008 an der Burg Giebichenstein Halle ist sie sowohl Designerin/ Inhaberin der internationalen Modemarke howitzweissbach, wie auch als Dozentin für Modegestaltung und Modetheorie tätig. Das Label howitzweissbach sieht sich an der Schnittstelle von Konzeptkunst und Modedesign immer unter der Einbeziehung regionaler Strukturen. Vertrieb und Marketing findet international statt. Fashionweeks in Mailand, Paris, Moskau, Ljubljana, sind nur einige Stationen die hier genannt seien. Die Schwerpunkte der Lehre & Forschung liegen im Bereich der Nachhaltigkeit im Design, Designprozessen und der Förderung eigenständiger Designsprachen.

Moderation:
Programmänderung – stellvertretend für Christian Rost (Kreatives Sachsen):
Josephine Hage (Kreatives Sachsen)
Josephine Hage ist Sozialwissenschaftlerin mit einem Master in Public Policy. Sie engagiert sich seit über zehn Jahren in Projekten für die Kultur- und Kreativwirtschaft und hat an zahlreichen Kultur- und Kreativwirtschaftsberichten in Deutschland mitgewirkt. Seit 2017 arbeitet sie in der Projektleitung von KREATIVES SACHSEN. In verschiedenen Pilotprojekten bringt Josephine Querdenker*innen und Perspektivwechsler*innen aus der Kreativszene mit Unternehmen anderer Branchen zusammen. Josephine lebt in Leipzig und pendelt zwischen digitalen Räumen, Chemnitz, Dresden und vielen weiteren Orten, an denen Menschen zu treffen sind, die Dinge bewegen wollen.

Die Applikation zur Fehlerveredelung will eine ganz konkrete Möglichkeit mitgeben. Ein ästhetisches Mittel zur additiven Bearbeitung von Flecken, Löchern und fehlerhaften Stellen. Dabei wird der Flicken neu interpretiert: auf einem transparenten Stickgrund werden individuell Elemente aufgenietet, -genäht und -gestickt, und so die Kleidungsstücke innerhalb unseres aktuellen Modeverständnisses aufgewertet. Von Tambour-Stickerei bis Nike-Logo können auch stimmungsabhängige Statements ihren Platz finden, denn wie ein Schmuckelement wird der Flicken nur additiv angebracht – und lädt so zum Experimentieren ein.

Workshop-Leitung:
Aurelia Becker (MA conceptua fashion design)
Aurelia Becker arbeitet als freiberufliche Modedesignerin mit dem Fokus auf einen alternativen Umgang mit gebrauchten Textilien. Das Studium an der Kunsthochschule Halle ist der Ausgangspunkt für die gestalterische Auseinandersetzung mit Altkleidern und die theoretische Überlegung wie wir für unsere Kleidung neuen Wert generieren wollen. Dem folgt ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und damit das übergreifende Ausstellungsprojekt zu der Branche rund um unsere Alttextilien und der Frage: Wohin mit all den Kleidern? Antworten findet sie in dem Umgang mit Kleidung, in der Hingabe zur Handarbeit, in der Handlung.Die Vermittlung von greifbaren und nicht-greifbaren Wissen ist dabei Ziel ihrer Ausstellungen, Workshops und Gestaltungsarbeit.

Was bedeutet kollektives Arbeiten? Grundlagen, Mehrwerte und Herausforderungen demokratischer und sozialer (Mit-)Arbeit.

Workshop-Leitung:
Anne-Sophie Müller ist Co-Gründerin von TRASH GALORE und verfügt über mehrjährige Arbeit in selbstorganisierten Strukturen. Dass vor allem die Textilbranche einen nachhaltigen Wandel umsetzen muss, zeigte ihr ihre mehrjährige Arbeit auf der Fashion Week Berlin. Erfahrungen aus der Organisation und dem Leben in Kollektiven bringt sie u.a. mit aus ihrer Wohnsituation, diversen Kulturprojekten und dem Aufbau der Organisation eines gemeinnützigen Materialmarktes in Leipzig.

In dem Workshop besprechen wir diverse Probleme in der Rohstoffproduktion, Verarbeitung und dem Handel von Textilien. Gemeinsam diskutieren wir Schwierigkeiten und Lösungsansätze für eine faire und nachhaltige Textilproduktion.

Workshop-Leitung:
Simone Weber engagiert sich seit zwei Jahren ehrenamtlich bei Greenpeace Leipzig und im Leipziger Fair Fashion Lab. Sie organisiert dabei u.a. Workshops und Kleidertausche im Rahmen der Fashion Revolution Week.
Selene Gerber setzt sich seit sieben Jahren als Greenpeace-Ehrenamtliche für Umweltschutz ein. Sie gibt außerdem Workshops und hält Vorträge zu verschiedenen Themen in Schulen.

Die Gemeinwohl-Ökonomie ist die Idee eines alternativen Wirtschaftssystems, welche heute bereits umgesetzt wird. Dabei sind Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Transparenz und Mitbestimmung die zentralen Werte. Im Workshop wird gemeinsam erarbeitet,wie verschiedene Akteur*innen in der Lieferkette der Textilbranche Veränderungen zu einer nachhaltigen Wirtschaft anstoßen können.

Workshop-Leitung:
Romy Kupfer studierte Wirtschaftsethik, Kommunikationswissenschaften und Soziologie. Nach längerer Station in Kanada kehrte sie nach Leipzig zurück und wurde in der Bioökonomie sowie im kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement tätig. Seit 2018 ist sie Mitglied der Gemeinwohl-Ökonomie Regionalgruppe in Leipzig.
Robert Rauhut hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert undbefindet sich im Masterstudium mit Schwerpunkt Nachhaltigkeitsmanagement. Er ist in der GWÖ als Referent aktiv und hält damit Vorträge und Workshops. Dabei sieht er in der Textilbranche bzgl. der sozialen und ökologischen Standards bereits eine nachhaltige positive Entwicklung.

Ihr habt die Gelegenheit, euch für ein Projekt oder Kreativ-Unternehmen beraten zu lassen.

Coach:
Katja Großers Kompetenz ist das Beraten und Vernetzen. Sie studierte Kultur und Management (Hochschule Zittau/Görlitz (FH), Kunstakademie Vilnius). Nach mehreren Stationen an den Schnittstellen zwischen Kunst und Wirtschaft arbeitet sie seit 2010 an und mit der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft, u.a. für das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft.

KREATIVES SACHSEN ist Mutmacher und Impulsgeber für Kultur- und Kreativschaffende in ganz Sachsen. Ziele sind die Vernetzung, Information und Support für neue Ideen und Kooperationen. Kreatives Sachsen setzt sich für mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung der Branche ein und bietet Weiterbildungen, Netzwerkveranstaltungen und kostenfreie Beratungen an, um die Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen produktiv und nachhaltig zu unterstützen.


14.40 Open Space
Raum für eure Themen und Ideen

16.00 Abschluss

Programm an beiden Kongresstagen


Open Space
für Austausch und Netzwerken


Download: #engmaschig-programm-2020.pdf


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#engmaschig – Kongress für Handarbeit und nachhaltige Textilien ist ein Projekt von kunZstoffe – urbane Ideenwerkstatt e.V. in Kooperation mit dem GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und KREATIVES SACHSEN. Es ist gefördert durch Fonds Nachhaltigkeitskultur des Rats für nachhaltige Entwicklung.