Im Juli 2012 bezog die Materialsammlung des kunZstoffe e.V. neue Räumlichkeiten. Seit ihrer Gründung 2009 war sie im 3 OG. des Werkstättenhauses Georg-Schwarz-Straße 7 untergebracht. Dies war zugegebenermaßen etwas unpraktisch, alle (teilweise sehr schwere) Materialien und Besucher mußten durch das gesamte Haus bis hoch zum 3. OG.

Nachdem die Wohnungsgesellschaft Central LS W33GmbH  die Georg-Schwarz-Str.11 in einer Zwangsversteigerung erworben hatte, gab es die Möglichkeit mit der Materialsammlung und den Workshop-Räumen in das Ladengeschäft (links) dieses Hauses umzuziehen.

Nun ist die Materialsammlung im Straßenbild gegenwärtig, alle Materialien übersichtlich angeordnet, zudem ist ein einzelner großer workshop Raum entstanden. Die Festkosten (Miete/NK) werden aus verschiedenen Quellen gedeckt. Das 3 OG der GSS7 erwirtschaftet größtenteils die Kaltmiete, die restlichen Kosten werden durch Spenden der Nutzer der Materialsammlung + workshop TN erwirtschaftet und durch Einmietungen in den Laden. So ist die Materialsammlung unabhängig von Fördermitteln, muß sich aber auch keinem konsumwirtschaftlichen Ansatz unterwerfen.

Das krimZkrams hat 3x die Woche geöffnet. Di. 15.00 – 19.00 Uhr, Mi. 16.00 – 19.00 Uhr und Do. 15.00 – 19.00 Uhr.

In dieser Zeit können Materialien geholt oder abgegeben werden. (Aufgrund begrenzter Lagerflächen empfiehlt sich im voraus nachzufragen welche Materialien momentan angenommen werden.) Während der Öffnungszeiten ist es möglich den workshop-Raum und Werkzeuge zu benutzen, um die Materialien gleich an Ort und Stelle zu verarbeiten.

Einmal im Monat wird ein angeleiteter upcycling Kurs für Erwachsene unter einem bestimmten Thema angeboten.Kindergarten und Schulgruppen können gern workshop-Termine vereinbaren, die Werkstättenleiterinnen sind ausgebildete Pädagoginnen.

Zur Idee der Materialsammlung:
Aufgeklärte Menschen wissen es längst. Das ewige Mantra von Wachstum und Konsum klingt längst so hohl, das man unentwegt „Bullshitbingo“ schreien könnte. Doch was nutzt das Wissen, dem keine Taten folgen. Der Planet vermüllt, seine Bewohner – zumindest die es sich leisten können –werden in Endlosschleifen aufgefordert „Kauft, Kauft, holt euch das Neuste, Beste, Billigste …..“. In diesem Zusammenhang darf natürlich auch der Gott „Arbeitsplatz“ nicht fehlen. Und dieser Gott ist nur mit immerwährenden Konsum zufriedenzustellen – oder auch nicht.
Nun kann man sich belesen, den Zustand beschreien und vergeblich darauf warten daß die Entscheidungsträger aus der Politik sich besinnen. Man kann aber auch selber handeln und innerhalb seiner bescheidenen Möglichkeiten neue Wege begehen, die oft so neu nicht sind, da viele Menschen mit den Gegebenheiten unzufrieden sind und versuchen Handlungsoptionen für sich und andere erschließen.

Einer unserer Handlungsansätze ist der Aufbau und die Nutzbarmachung einer Materialsammlung, in der die Überreste unsere Konsumwelt wieder zu neuen Leben erwachen können. Ob es Überbleibsel aus der letzten Wohnungsrenovierung sind oder der Gedanke, „ich brauche diese Stoffe eigentlich nicht mehr, doch sie sind viel zu schade zum wegwerfen“, den v.a. Menschen der älteren Generation haben, die noch Erfahrungen aus Zeiten der Mangelgesellschaft in sich tragen.
Diesen Überfluß einerseits und bestimmte Mangelerscheinungen andererseits in ein Gleichgewicht zu bringen, ist das Ziel der Materialsammlung, welches man unter Nachhaltigkeit zusammenfassen kann. Denn es gibt auch Mangel. Zum einem natürlich der Mangel an finanziellen Ressourcen, welchen nicht wenige Menschen verspüren, aber auch der Mangel an Möglichkeiten sich selbst etwas für den eigenen Bedarf herzustellen und die Freude am sinnvollem Tätigsein zu genießen.
Neben dem Nachhaltigkeitsgedanken verfolgen wir mit dem Projekt „Materialsammlung“ auch das Ziel ein kritisches Konsumbewußtsein zu schaffen. In großen Teilen haben wir verlernt die Arbeit und Ressourcen zu beachten, die in jedem Wegwerfprodukt stecken. Durch die Auseinandersetzung mit der Herstellung von Produkten für den eigenen Bedarf, entdeckt man den nicht nur eigene Fähigkeiten, man bekommt einen anderen Bezug zu Handarbeit und vermeidet durch die Arbeit mit dem Material von selbst die sinnlose Verschwendung von Ressourcen. Der Griff zum Billigprodukt geht zurück, auch dies ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.